Was ich am 2010-01-31 bei Twitter sagte
Januar 31, 10 von chris-b- Schlägerei zwischen Polizisten und Feuerwehrleuten http://tinyurl.com/y9bqgsm #
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Folgender Artikel von Torsten Schulte erschien am 24.01.2010 bei der Jugendzeitschrift Utopia als „Biste Schwul, oder was?!“ unter der Lizenz cc by-nc-nd.
‘Schwule Sau’ oder ‘Scheiß Lesbe’ sind Bezeichnungen, an die sich leider schon viele ‘Betroffene’ gewöhnt haben. Auch die regelmäßige Schändung des Mahnmals zur Erinnerung an die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen sowie gewaltsame Übergriffe gegen Les.bi.schwul.trans sind leider traurige Realität.
Trotz rechtlicher Fortschritte (bspw. Homoehe), offen homosexueller Menschen in Politik und Medien und Christopher Street Days (CSD) in fast jeder größeren Stadt ist der gesellschaftliche Umgang mit nicht heterosexuellen Menschen immer noch von Diskriminierung und Ablehnung geprägt.
Es scheinen zwei parallele gesellschaftliche Entwicklungen von sich zu gehen. Zum einen eine Liberalisierung und selbstverständliche Anerkennung von nicht heterosexuell lebenden Menschen, zum anderen eine zunehmende Ablehnung bis hin zu gewaltsamen Bekämpfung von allen Lebensformen, die nicht in das Bild einer heterosexuellen Durchschnittsfamilie passen. Im Folgenden werden die Formen und das Ausmaß der Diskriminierungen dargestellt. Zudem wird daran anschließend der Begriff der Homophobie einmal kritisch hinterfragt, um für aktuelle und zukünftige soziale Kämpfe gerüstet zu sein.
Alle anders, alle gleich?!?
Als am 1. August 2001 das Lebenspartnerschaftsgesetz – kurz: “Homoehe” – in kraft trat, prophezeiten liberale gesellschaftliche Gruppen die abgeschlossene Emanzipation der Homosexuellen. Zwar wurde damit im bürgerlichen Recht die Partnerschaft von gleichgeschlechtlichen Menschen anerkannt und sie bekamen wichtige Rechte, jedoch ist die Homo- gegenüber der Hetero-Ehe in viele Bereichen nicht gleichgestellt. Der Staat fördert immer noch die ‘klassische Kleinfamilie’.
In vielen Bereichen werden Homosexuelle immer noch benachteiligt. So dürfen sie bspw. kein Blut spenden, da sie wie DrogengebraucherInnen und SexarbeiterInnen der Hochrisikogruppe zugeordnet werden. Natürlich kann man beim Fragebogen seine sexuelle Orientierung einfach verleugnen, aber gerade diese Verleugnung ist immer noch prägend für den Alltag von gleichgeschlechtlich orientierten Menschen. Es ist leider ein trauriges Faktum, dass Les.bi.schwul.trans-Personen im Laufe ihrer Sozialisation darauf geprägt wurden, ständig ihr Verhalten zu kontrollieren und nur an ‘ungefährlichen’ Orten oder in ‘ungefährlichen’ Situationen ihre grundlegenden Bedürfnisse nach Nähe und Zärtlichkeit offen zu zeigen. Diese ständige Kontrolle des eigenen Verhaltens zeigt nur zu deutlich, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von homosexuellen Lebensweisen immer noch nicht verwirklicht ist!
Auch in der medialen Öffentlichkeit gibt es oft unterschwellige Homophobie; eine offen homophobe Stimmungsmache ist aber glücklicherweise nicht mehr möglich. Die verdeckte Homophobie ist am Beispiel des offen schwulen Bürgermeisters von Berlin festzumachen. Er wird häufig nicht für seine politischen Projekte oder Ansichten kritisiert, sondern dafür, dass er der “Partybürgermeister” sei. Hier schlägt die homophobe Assoziationskette – schwul = ewige Party mit CSDs, sexueller Ekstase etc. – voll durch. Im heterosexuellen Mainstream ist die Assoziationskette Homosexualität = egoistischer Individualismus und Heterosexualität = auf das Gemeinwohl ausgerichtet immer noch dominant.
Wer hasst ‘uns’ eigentlich so?
Einige Hinweise auf die Frage, wer homosexuelle Lebensweisen ablehnt bzw. sie nicht akzeptiert, gibt der Forschungsbericht der Antidiskriminierungsstelle der Bundes. So lehnen die traditionellen und die Mainstream-Milieus eine vollständige Gleichberechtigung ab und sehen oftmals auch keine Notwendigkeit eines besonderen Diskriminierungsschutzes. Zusammen machen diese Milieus ca. 53% der Gesamtbevölkerung der BRD aus.
Tiefenpsychologisch gesehen dient Homophobie der Abwehr von ‘Ängsten’. Je geringer das Selbstwertgefühl, die soziale Integration und die soziale Lage eines Menschen sind, desto stärker ist sein homophobes Verhalten. Auch spielt die Angst vor den eigenen homosexuellen Anteilen eine Rolle. Eine Studie aus den USA zeigte 1996, dass 54,3% der homophoben Männer eindeutig erregt waren beim Anschauen von sexuellen Handlungen zwischen Männern. Auch die Angst, emotional berührt zu werden und die Infragestellung des traditionellen Männlichkeitsideals bzw. der heterosexistischen Normenvorstellungen erzeugen Ablehnung. Nicht zu unterschätzen ist die Angst vor sozialer Unsicherheit und das Streben nach Macht. Homosexuelle sind dann eine Gruppe die vermeintlich noch schwächer ist.
Homophobie oder Heterosexismus?
Der Begriff Homophobie leitet sich aus dem Griechischen (homo = gleich und phobos = Angst/Phobie) ab. Der Begriff kam mit der 2. Lesben- und Schwulenbewegung in den 1970er Jahren nach Deutschland und fand Verwendung als politischer Kampfbegriff. In den Sozialwissenschaften hat sich der Begriff des Heterosexismus jedoch durchgesetzt. Dies hat folgende Gründe:
Grundsätzlich impliziert der Begriff der Homophobie, dass die Ablehnung von Homosexuellen eine Krankheit sei, er pathologiesiert die sozialen Handlungen also. Damit wird die Verantwortung für das Handeln abgelehnt bzw. auf die angebliche Krankheit verwiesen.
Zudem erkennen PhobikerInnen ihre Ängste als übertrieben an, HomophobikerInnen betrachten die Ablehnung jedoch als gerechtfertigt.
Auch ist das Ergebnis einer Phobie die Vermeidung, das Ergebnis von Homophobie ist jedoch Aggression. Darüber hinaus besitzen Menschen mit Phobien einen inneren Leidensdruck und wünschen diesen zu verändern, homophobe Menschen hingegen erzeugen Leidensdruck bei anderen Menschen.
Der Begriff des Heterosexismus wurde in der BDR seit den 1980er Jahren verwendet. Die Verwendung sollte eine Parallele zu den Begriffen Sexismus und Rassismus schaffen und die schwierige Verknüpfung mit Phobie (als psychologischer Störung) überwinden.
Heterosexismus beschreibt die oft subtile gesellschaftliche Neigung und das ideologische System, jede Form von Identität, Verhalten, Beziehung oder Gemeinschaft, welche nicht eindeutig der auf Heterosexualität basierenden sozialen Norm entspricht, zu verleugnen, verunglimpfen und zu stigmatisieren. Heterosexismus verweist somit auf Chauvinismus als Ursache des ablehnenden Verhaltens und schließt bisexuelle, transgender, aber auch androgyne Menschen mit ein.
Vor allem das System der heterosexuellen Zweigeschlechtlichkeit mit den dazugehörigen Implikationen, was weiblich und was männlich sei, ist damit Ursache der Ablehnung. Genau hier muss angesetzt werden: Nur wenn das System der Heteronormativität aufgebrochen wird, kann es eine vollständige Akzeptanz von Les.bi.schwul.trans-Menschen geben. Es bleibt also viel zu tun!
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An Vorstand Rheinland-Pfalz, z.K. an Bundesvorstand
Liebe Piratenpartei,
das mit uns beiden begann als abenteuerliches Projekt.
Ich war aktiver Gewerkschafter, Pazifist, antiautoritär, stellte Menschen und Individualismus über alles und würde mich daher als sehr links bezeichnen.
Du warst dieses Phänomen, von dem ich schon Jahre vorher im Internet las und die Entwicklung, die Du genommen hast, mit Spannung verfolgte. Du standest für Bürger_innen-Rechte, freies Wissen und viele andere Dinge, die fest in meinem Grundwesen als Mensch verankert sind.
Irgendwann hast Du dich entschieden auch mal in Deutschland vorbei zu schauen. Immer wenn Du bei einer Landtagswahl antratst, freute ich mich über die immer besser werdenden Ergebnisse. Ich wollte Dich selbst auf meinem Stimmzettel ankreuzen und wartete nur auf die erste Gelegenheit.
Einen Tag vor der Europawahl entschied ich mich dann endlich, ein Teil von Dir sein zu wollen.
Seit diesem Augenblick haben wir ein sehr kompliziertes Verhältnis zueinander.
Zuerst musste ich feststellen, dass ich Dich teilen muss. Du gabst Menschen einen Platz in deinem Leben, die Ansichten vertreten, die nicht meine sind.
Dies fing bei inhaltlicher Nähe zur FDP und neoliberalen Ansichten an und ging bis zu den Affären mit Bodo Thiesen und Steffan „Aaron“ König.
Immer wieder habe ich gedacht, Du hast noch Chancen verdient. Ich ging davon aus, dass das alles Einzelmeinungen sind und nicht Deiner Meinung entsprechen. Ich habe Dich vor Kritiker_innen verteidigt und musste mir oft anhören ich wäre naiv.
In letzter Zeit kamen mir aber immer wieder Zweifel, ob wir beide wirklich so gut zusammen passen. Ich fühlte mich in deiner Nähe immer öfter unbehaglich und begann darüber nachzudenken, woran das liegen könnte.
Zu aller erst ist da die Sache mit dem Feminismus. Wieso müssen wir so ein Männerverein sein? Ich weiß genau, wir haben Mitglieder, welche Frauen sind. Wieso können wir sie nicht als solche Bezeichnen? „Liebe Piratin“ hört sich doch sympatisch an. Dass das Wort „Pirat“ angeblich geschlechtsneutral ist, ist ja schön und gut. Es birgt aber doch ein enormes Ausgrenzungspotential. Wieso ist immer nur die Rede von „Bürgern“, „Politkern“, „Polizisten“ etc.? Der Kampf für Gleichheit sieht nach meinem Selbstverständnis anders aus. Wenn wir gemeinsam antreten um etwas zu verändern, hätten wir hier doch prima anfangen können.
Als nächstes kommt da die Sache mit dem Schubladendenken bzw. der Nichtanwendung von selbigem. „Wir sind nicht links oder rechts, wo wir sind ist vorne!“. Diesen oder ähnliche Sätze höre ich nur all zu häufig. Ich will aber nicht vorne sein!
Auf der linken Seite steht der Kampf gegen den Kapitalismus, gegen die Diktatur des Kapitals. Die Auswirkungen des Kapitalismus können wir in der Geschichte der letzten 150 Jahre nur all zu gut beobachten. Er hat zunächst die Sklaverei, und damit verbunden ein Überlegenheitsgefühl bestimmter Gesellschaftsschichten und Kulturkreise hervorgebracht. Er führte dazu, dass in Ländern Kriege geführt werden um den Industrienationen die Rohstoffzufuhr für die nächsten Jahre zu sichern. Er führte dazu, dass Menschen nur noch als Sachkosten betrachtet werden und diktiert ihnen durch Lohnabhängigkeit, wie sie ihr Leben zu leben haben.
Ich will, dass Menschen selbst entscheiden, wie sie ihr Leben leben. Wenn ich sage, dass ich für Freiheit kämpfe, meine ich die Freiheiten des Individuums und nicht die der Märkte.
Anscheinend sind viele deiner Anhänger_innen der Meinung, wir müssten uns von allem, was auch nur im Entferntesten links eingeordnet werden könnte distanzieren. Linke, das sind immer „Chaoten“ und „Anarchisten“. Oder sie sind automatisch „Anhänger des SED-Regimes“.
Auf der rechten Seite steht der Neofaschismus. Dort finden sich Menschen, welche sich als „wertvoller“ als andere Menschen begreifen. Sie teilen die Weltbevölkerung in „Rassen“ ein und stufen einige von Ihnen als nicht Lebenswert herab. Sie verharmlosen die Verbrechen der NS-Diktatur, wünschen sich das dritte Reich zurück. Sie benutzen das Wort „Demokrat_in“ als Schimpfwort und stehen in eben jener Tradition, welche die Welt vor gar nicht all zu lange Zeit ins Verderben gestürzt und ihr den dunkelsten Fleck ihrer Geschichte verpasst hat.
Meiner Meinung nach ist diese verbrecherische und menschenverachtende Ideologie kein schützenswertes Grundrecht, da sie dem Menschsein an sich und der damit verbundenen Achtung seiner Würde konträr entgegen steht. Ich finde, ein Merkmal einer wehrhaften Demokratie und eine Pflicht aller Menschen ist es gerade, sich solchen Ideologien in den Weg zu stellen, ihnen keine Plattform zu geben. Nur zu äußern, dass wir evt. anderer Meinung sind reicht nicht aus und wird nicht verhindern, dass rechte Gruppierungen stärker werden.
Ein weiterer Punkt ist, dass wir uns gegen „Extremismus jeder Art“ stellen.
Als Extremismen sind in dem Köpfen der Menschen in erster Linie der Links- und Rechts-Extremismus, neuerdings auch der „Islamismus“, verankert. Durch die Bezeichnung „Extremismus“ verschwimmen die Unterschiede all dieser Strömungen. Die SED-Diktatur wird mit dem Hitler-Faschismus gleichgesetzt und auf diese Weise auf der einen Seite die NS-Verbrechen relativiert und auf der anderen Seite die Gefahren des Faschismus heruntergespielt.
Die Extremismus-Theorie geht davon aus, dass es eine demokratische Mitte gibt, und die Extremismen Randerscheinungen sind welche diese Mitte beseitigen wollen. Die Mitte wird schon nur gutes Tun und es gilt, diese auf Biegen und Brechen zu verteidigen.
Die Piratenpartei wurde gegründet, weil die Freiheiten der Menschen eben aus dieser Mitte heraus seit Jahren immer weiter eingeschränkt werden. Eine Antwort auf die Bestrebungen der Mitte, kann also nicht aus Ihr selbst entstehen. Wenn wir uns nun von Extremismen kategorisch distanzieren, ist das Konzept der Piratenpartei von vorne herein zum Scheitern verurteilt.
Die Extremismus-Theorie dient nur dem Machterhalt der herrschenden Klasse und wurde von eben dieser zu eben diesem Zweck aus der Taufe gehoben. Der Rechtsextremismus strebt die Beseitigung der Demokratie, der Sozialismus jedoch die Abschaffung des Kapitalismus an. Der Rechtsextremismus ist von seiner Idee her und den Zielen nach antidemokratisch. Der Sozialismus aber nur dann, wenn er missbraucht oder pervertiert wird. Die Distanzierung von jeglichem Extremismus schließt also folgerichtig jegliche demokratischen linken Bestrebungen ein und kann von daher keine Lösungen für die Missstände in der heutigen Gesellschaft liefern.
Ich bin nicht Pirat geworden, um die Panikmache vor „Islamismus“ und „linkem Terror“ mitzumachen. Ich bin Pirat geworden, weil ich Mensch bin und für die Freiheiten der Menschen eintreten wollte. Ich bin Pirat geworden, weil ich die Ziele der Partei gut finde und hoffte, dass ich mit viele Menschen auch die Beweggründe für diese Ziele teile.
Ich musste feststellen, dass Du dir oft widersprichst und zu oft dem widersprichst, für was ich als Pirat einstehen möchte. Es geht nicht nur um fundamentale Dinge sondern auch um viele Kleinigkeiten.
Steter Tropfen höhlt den Stein. Deshalb bekunde ich hiermit meinen Austritt. Vielleicht ist es eine Trennung auf Zeit, vielleicht ist sie für immer.
Ein Sprichwort sagt, „man sieht sich immer“ zwei mal im Leben. Vielleicht weißt Du bei unserer nächsten Begegnung ja, was Du bist und was Du mal werden möchtest. Momentan kann ich mir eine Beziehung auf Dauer mit Dir nicht vorstellen aber vielleicht wird das ja noch.
Bis dahin wünsche ich Dir viel Erfolg bei deiner Selbstfindung.
Mit solidarischen Grüßen
Christian Busch
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