Pünktlichkeit: Eine deutsche Tugend – oder etwa doch nicht?
August 11, 08 von chris-bIch komme gerade vom Amtsgericht Mainz und war bei der Gerichtsverhandlung gegen Mario Matthes wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung.
Der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD hatte vor ein paar Monaten einen Mitstudenten auf dem Campus der Uni Mainz niedergeschlagen, weil sich dieser an einer Anti-NPD-Aktion in Frankfurt beteiligt hatte.
Zu Verhandlungsbeginn um 9:00 Uhr waren im Gerichtssaal neben zwei Faschos ca. 20 Antifaschistinnen und Antifaschisten anwesend. Wer fehlte, war der Angeklagte.
Der Richterin wurde ein Schreiben vorgelegt. Der Verteidiger Matthes‘ hatte angerufen und mitgeteilt, dass der Nazi den Zug verpasst hat. Er würde sich wohl 10 Minuten verspäten. Die Richterin solle für die nötigen Sicherheitsvorkehrungen sorgen.
Als die Richterin dies vorlas, ging ein Lachen durch den Gerichtssaal und sie meinte nur, für Sicherheitsvorkehrungen sehe sie keine Notwendigkeit.
Die Verhandlung wurde um eine Viertelstunde vertagt. Nachdem Matthes dann immer noch nicht da war, wurden noch ein mal fünfzehn Minuten drangehängt. Es war ja bekannt war, dass er sich auf dem Weg befindet.
Als Matthes nach einer halbstündigen Verzögerung immer noch nicht anwesend war, begann die Verhandlung ohne ihn. Von da an ging alles recht schnell.
Der Staatsanwalt beantragte Strafbefehl auf elf Monate Freiheitsentzug mit einer Bewährungszeit von drei Jahren. Des Weiteren beantragte er 100 Sozialstunden.
Die Richterin kam den Forderungen nach und die Verhandlung war beendet.
Um 09:38 kam dann auch endlich Matthes an und stand vor einem verschlossenen Gerichtsaal.
Das mit den deutschen Tugenden müssen wir aber noch mal üben, liebe Nazis!
Eine Presseerklärung ist momentan in Arbeit und wird später nachgereicht.

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redblog Sagt: 11.08.08 um 22:12
gelesen und gut gelacht, schön geschrieben
chris-b Sagt: 11.08.08 um 22:30
thx
redblog.twoday.net Sagt: 12.08.08 um 10:35
Links um zehn # 28…
Über unpünktliche Nazis, Mediengelaber von FR-Chef, einen wohlwollenden Großvater in Kuba, das getaggte Manifest und Chaoten im Radio.
[LINK] Wenn es Nazis an Pünktlichkeit fehlt …
[LINK] „Medienkonvergenz steht bei uns ganz o…
Pünktlichkeit wohl keine deutsche Tugend! « Killerkeks’ Weblog Sagt: 16.08.08 um 09:28
[…] Weiter lesen auf Chris’ Blog […]
Autonomer Antifaschist Sagt: 16.08.08 um 18:51
Gibts wenigstens Pics zu den 2 Faschos die im Gerichtssaal waren?
chris-b Sagt: 16.08.08 um 20:18
Nein, leider nicht.
Ich kannte die nicht und habe auch von anderen Menschen keine Namen oder sonstige Infos über die beiden bekommen.